Mykolaiv in autumn 2024

When I planned my first trip to Mykolaiv in 2023, I had to overcome my fear. Most “non-military” people travel to the unpredictable and unstable frontline zone only to see family, close friends, or the places of their childhood. Familiarity with the area, and the memory of what it was before the war, makes it possible to imagine such a trip. 

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Mykolajiw 2023/24

Als ich im Sommer dieses Jahres wieder meine Reise nach Mykolajiw plante, musste ich meine Angst überwinden. Für viele «Nicht-Militärangehörige» sind Reisen durch die unberechenbare und instabile Frontzone nur dann möglich, wenn sie zu Verwandten, engen Freunden oder zu den Orten ihrer Kindheit fahren. Das Wissen um die Gegend und das Gefühl für ihre Vorkriegszeit erlauben es, so eine Reise zu planen. Es ist, als wäre der Krieg eine uralte, unberechenbare Epidemie, und es fällt leichter, einen an Pest Erkrankten zu besuchen, wenn man ihn früher als vollkommen Gesunden kannte. 

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Dispatch from Kyiv

I am on my way to Kyiv when Ukraine’s new conscription law takes effect: it requires men between eighteen and sixty to register to serve in the Ukrainian army, and introduces harsh new penalties for evading military service.

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Die Einberufung

«Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.» Diese Worte Wittgensteins betreffen genau das Thema, das du anzufassen versuchst. Du wirst das Dilemma mit deinem Text nicht lösen, also schreibe besser gar nicht darüber. Dein Text wird entweder demoralisierend werden oder einfach dumm.

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Остров

Путешествуя в конце июля 2023 года в Украину и из Украины, я движусь в потоке пассажиров и беженцев. Последние возвращаются на несколько недель или дней в свои дома, встречаются с оставленной ими жизнью, словно проверяют, можно ли уже вернуться. Часто кажется, что возвращаться некуда. Потом, внезапно, это чувство проходит.

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Kein Ende des Krieges

Während meiner Reise in die Ukraine Ende Juli 2023 bewege ich mich im Strom Reisender und Geflüchteter. Letztere kehren für ein paar Wochen oder vielleicht Tage in ihre Häuser zurück und schauen auf das zurückgelassene Leben, fast so, als prüften sie, ob man schon heimkehren kann. Oft scheint es, dass es keinen Weg zurück mehr gibt. Dann, plötzlich, vergeht dieses Gefühl.

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A Tale of Fear

Silence expands, it soaks up the darkness, grows larger. So night comes, even in broad daylight. I’m between the ages of three and four and I’m supposed to get some sleep during the day. I don’t want to sleep, don’t want to fall asleep, and I’m willing to sacrifice everything in order to strike a bargain—don’t force me to fall asleep during the day. Falling asleep is disturbing, you wake up changed.

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Geschichte einer Angst

Das Schweigen dehnt sich aus, saugt die Dunkelheit ein und wird größer. So kommt die Nacht, auch am helllichten Tag. Ich bin zwischen drei und vier Jahre alt und soll am Tag schlafen. Ich will nicht schlafen, will nicht einschlafen und bin bereit alles zu opfern, zu verhandeln, damit man mich nicht am Tag zum Einschlafen zwingt. 

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Diese Leute verurteilen uns zum Verschwinden

Als ich noch in Kiew lebte, Mitte März, zeigte mir der ukrainische Künstler Nikita Kadan eines seiner Werke. Es war das Bild eines wunderschönen Himmels, mit schwarzer Kohle hatte er darauf in großen Lettern geschrieben: »We are the price«. Ich hörte mich in den Klang dieser Worte ein. Ich wollte mich gegen ihre Grundsätzlichkeit wehren und empfand sie damals nur als teilweise wahrhaftig. 

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