Exhibition in Berlin: Versöhnung, die wir verpasst haben

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Fotoausstellung zum Donbass dokumentiert Leben und Arbeiten im Krieg

Am Freitag, dem 14. August um 18 Uhr wird in der Berliner Kapelle der Versöhnung (Bernauer Straße 4, 10115 Berlin), auf der Gedenkstätte Berliner Mauer, eine Fotoausstellung über das friedliche Leben in den Kriegsgebieten der Ostukraine eröffnet. Die ukrainische Fotografin und Autorin Yevgenia Belorusets hat über ein Jahr lang den Alltag in den frontnahen Städten des Donbass dokumentiert. Die Bilder dieser Fotoserie wurden zuerst im ukrainischen Pavillon der 56. Biennale in Venedig 2015 gezeigt. 

Es fällt schwer, auf den Bildern Spuren des Krieges zu sehen, weil die Fotos im Dialog mit denen entstanden sind, die den Krieg nicht in ihr Leben dringen lassen wollen. Die Aufnahmen sind in  Zusammenarbeit mit den Arbeiterinnen und Arbeitern großer Industrieunternehmen im Donbass entstanden. Meistens waren es Bergarbeiter, die ihre Arbeit auch in jenen Tagen und Wochen fortsetzten, als der Krieg mit seinem Artilleriefeuer in ihre Städte drang. Sie waren gezwungen, monatelang ohne Lohn zu arbeiten, da die Verwaltungsstrukturen der Region nicht mehr funktionierten. Es sind Menschen, die den Krieg nicht als Teil ihrer Biografie und ihrer Realität akzeptieren wollen. Sie haben sich zum Bleiben entschieden und lehnen so das Flüchtlingsschicksal ab.

Der Krieg im Osten der Ukraine dauert schon über ein Jahr. Oft stand er im Zentrum der internationalen Presse. Sie zeigte zerstörte Städte, eine beschädigte Infrastruktur. Und wir erfuhren, dass mehr als eine Million Menschen gegen ihren Willen zu Flüchtlingen wurden. Aber wir, als Nachrichtenleser und somit Zeugen dieses Krieges, bemerken kaum jene, die sich im Kriegsgebiet nicht auf die Regeln des Krieges einlassen wollen. Sie sind nicht bereit, sich seinen Gesetzen zu unterwerfen, der Propaganda zu glauben, die der Krieg hervorbringt. Die Fotoausstellung in der Kapelle der Versöhnung erzählt von Gemeinschaften, die trotz der Gewalt des Krieges weiter existieren und die durch ihre Existenz diese Gewalt aufzuhalten imstande sind. 

Der Krieg in der Ukraine geht weiter. Das friedliche Leben während des Krieges wird jedoch von den gängigen Fernsehbildern, den offiziellen Stellungnahmen, den tragischen Ereignissen, die zu oft einer schematischen Propaganda dienen, verdunkelt. Wir aber können als Zeugen dieser Ereignisse hinter die Medienkulissen schauen, uns einer anderen unsichtbaren Alltäglichkeit zuwenden. Wir müssen alles tun, um diesen Krieg zu beenden.

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Die Berliner Kapelle der Versöhnung befindet sich an einem Geschichtsort des Kalten Krieges. Sie steht in Ostberlin, ihre Gemeinde lebte jedoch während der Teilung in Westberlin. Der ursprüngliche neugotische Kirchbau befand sich für Gemeindemitglieder aus Ost und West unzugänglich seit der Grenzziehung 1961, im Todesstreifen der Berliner Mauer. 1985 wurde die alte Versöhnungskirche gesprengt. 1999 wurde auf ihren Fundamenten eine kleine Kapelle aus Lehm errichtet, aus dem Schutt und den Steinen der zerstörten Kirche. Die Fotoausstellung befindet sich im Wandelgang der Kapelle. Dieser wurde licht- und luftdurchlässig aus hölzernen Palisaden errichtet. Auf die Besucher wirkt damit der Zugang zum Kapellenbau architektonisch wie eine durchlässige Grenze.                                     

ÖFFNUNGSZEITEN   Die Fotoausstellung «Versöhnung, die wir verpasst haben» in der Kapelle der Versöhnung (Bernauer Str. 4, 10115 Berlin) ist vom 14. August bis 11. November 2015 täglich, außer montags, von 10:00 – 17:00 Uhr geöffnet.

Die Ausstellung wird im Rahmen des Projekts «Die Siege der Besiegten» gezeigt. Es hat die Erforschung und Dokumentation bürgerlichen Widerstands gegenüber Konflikt- und Kriegspolitik zum Ziel. 

Partner der Ausstellung: Evangelische Kirchengemeinde Versöhnung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland, Journalistenverband n-ost.  

Wir bedanken uns bei  der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine für die Mitwirkung bei der Arbeit an dieser Fotoserie.

Ev. Kirchengemeinde Versöhnung,  030- 463 60 34; This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. / www.versoehnungskapelle.de;  (U Bhf. Bernauer Straße / Tram 10 / S Nordbahnhof).