DAS RADIO DER ZUKUNFT

Die Präsentation findet in FU Berlin (Habelschwerdter Allee 45) am Donnerstag, den 19. Februar um 14:00–16:00 Uhr im Raum JK 31/125 statt.
 
Im Seminar präsentiert Yevgenia Belorusets ihr umfangreiches Projekt über die Arbeit in den Bergwerken von Donezk. „Die Siege der Besiegten“ – so der Titel dieser langen fotografischen Recherche – wird im Zusammenhang mit ihrem neuen Textzyklus „Der Ehrliche Ort“ vorgestellt und in Verbindung zu Velimir Chlebnikovs „Das Radio der Zukunft“ sowie Walter Benjamins „Über den Begriff der Geschichte“ diskutiert.

Die Figur des «engagierten Fotografen» gerät in den Strom massenmedialer und staatlicher Evidenzerzeugung, welche sich die Praktiken der ersten zu eigen macht. Der „Stil“ eines Bildes lässt sich dabei leicht von seinem Inhalt sondern. Mehr noch, dieser Stil und die Intention erfinden sich immer aufs Neue, indem sie neue visuelle Codes hervorbringen, welche allgemein verständlich und ansprechend sein sollen. Ja sie sollen die Worte selbst überzeugen: sie im visuellen Versprechen auflösen, sie zu überflüssigen Worten machen. 

Das Dokumentarische der Fotografie wird zum Fundament für weitreichende rhetorische Konstruktionen. Gleichsam überwindet die Fotografie leicht die kulturellen und territorialen Grenzen, um Nachrichten, Ereignisse und Bedeutungen zu transportieren. Wie auch der Text, so ist die Fotografie auf stetiger Suche nach kritischer Distanz. Zugleich denkt sie weiterhin utopisch, hofft auf die Macht des Dokuments, der den Geschichtsverlauf wenden könnte. Sie hofft auf die Magie des Blicks, des Portraits, auf ein noch ausstehendes Ereignis, das den Ort und die Zeit, das Subjekt und seine visuellen Fertigkeiten gänzlich transformieren werde. 

Es scheint als würden die Fotografie und das Video heute noch vom Un/Verwirklichten und Universellen träumen, als würden sie die Idee des futuristischen Dichters Velimir Chlebnikov fortträumen: „Das Radio der Zukunft – der wichtigste Baum der Erkenntnis – wird der Wissenschaft eine Fülle von Aufgaben eröffnen und die Menschheit zusammenführen.“

Wie wandelt sich das Dokumentarische der Fotografie und wovon spricht es? Bis zu welchem Grad kann die Fotografie zur Illustration einer Idee, eines Konzepts oder sogar eines Weltbildes werden? Was ist ihre Nachricht, wenn das Bild nach wie vor der wichtigste Akteur unserer Medienberichterstattung ist?